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Auszug     Rezensionen

Wart du nur, du

PERSONAL

MARTHA: 45, Psychotherapeutin, Bürokleidung, leicht repräsentativer Kleidungsstil.
ROBERT: Ihr Mann, 45, Chemiker bei Novartis.
JULIE: 35, Amerikanerin, MARTHA II, mit zwei Ausprägungen. 1. Expressionistische
Darstellung. Klassisch gesungen, poetisch. 2. Expressive Darstellung. Natürlich gesungen,
emotionaler Redetonfall.

Für die Szenen SCHNITTE I - IV werden die Texte von MARTHA und ROBERT getrennt
aufgenommen und dann zusammen geschnitten. Die Aufnahmen für MARTHA und
ROBERT werden mit folgenden akustischen Hintergrundgeräuschen unterlegt. (Bar, Bar
ruhig, in der Küche, im Auto, im Kaffee, Spielplatz.)

Wie in einem Dokumentarfilm werden die ausgewählten Ausschnitte dann
zusammengesetzt. Die Hintergrundgeräusche werden ebenfalls getrennt aufgenommen.

Die Aufnahmen für die Szenen SCHNITTE I – IV werden relativ „frei“ inszeniert. Die
Schauspieler werden auf mündliche Berichterstattungsmöglichkeiten hingewiesen. Es sollen
dynamische Aufnahmen sein. Die Distanz und der Winkel zum Mikrofon darf durch
Bewegungen ab und zu verändert werden.

Hintergrundgeräusche für die Szenen SCHNITTE I – IV – sowie Aufnahmehinweise.

MARTHA, (Im Kaffee), Sanfte klassische Musik, aus einem Radio im Hintergrund. Sie
muss körperlich sehr entspannt sitzen, eher liegen. In einem tiefen, bequemen Stuhl. Sofa.
Auf einem Tisch stehen oder liegen, eine Tasse Kaffee, ein Glas Wasser, ihr handy, eine
aktuelle Ausgabe von GALA. Es wird so inszeniert, dass diese Gegenstände immer wieder
physisch ins Spiel gebracht werden.

(Spielplatz), Im Hintergrund spielende Kinder, bellende Hunde. Ab und zu dreht Martha
ihren Kopf um ihr 6 Jahre altes, spielendes Kind zu beobachten.

(In der Küche,) Bei der Küchenarbeit. Ab und zu trinkt sie einen Kaffe, oder Tee.
Unterteller, Löffel, Klappergeräusche, Zucker, Kaffeerahm, Schnittfläche, ein scharfes
Messer, Karotten, Sellerie, Kartoffeln, die geschnitten werden können. Weiches Toastbrot.

ROBERT, (Bar), viele Berufstätige nach Feierabend. Die Musik ist nicht zu laut und
nicht zu leise. Schmierige Versionen von brasilianischen Volksliedern und Musik die auf
einem populären Jazz-Kanal gespielt wird.

(Bar, ruhig), In derselben Bar. Ohne Musik. Die Menschen im Hintergrund sind etwas leiser.

(Im Auto) Leicht von hinten aufgenommen. Mikro neben rechter Schulter. Das Auto fährt
die ganze Zeit.

Für die Textpassagen (Ausnotiert) werden Sprechpartituren erstellt.
INTRO

(Präpariertes Piano und Gesang. JULIE atmet mit leichtem Medlodie- und Stimmansatz.)


ELIAV Schlafen, schlafen. Schlafen.
Nur schlafen, nur schlafen. Nie. Keinmal.
Nur schlafen.
Nie. Aufwachen.
Nein. Kein Wecken.
Nur schlafen. Nur schlafen.
Nur, schlafen.
Nur: Ja nicht aufwecken. Nein. Keinesfalls.
Sch-sch-sch. Nicht wecken. Nicht. Nein. Sch-sch-sch.

SCHNITTE I

ROBERT (Im Auto) Man kann jedes Leben unter ein Vergrösserungsglas
halten. Denkst du, dass man dann nichts findet? Hm? Man findet immer etwas! Immer. Wenn man so ein Leben genauer anschaut, findet man immer etwas. Das ist klar.

MARTHA (Im Kaffee) Deshalb geht doch niemand mit gesenktem Blick durch die Strasse. Davon lässt sich doch niemand verunsichern. Lächerlich. Ich persönlich sehe das so: Ich wusste schon früh, dass es wichtig ist, dass man aufrecht und zielstrebig durch die Welt geht. Ich war nie bereit Lügen, zu ertragen. Und ich weiss, was ich will.

ROBERT (Im Auto) Gestern auf dem Weg zur Arbeit habe ich gesehen, wie ein Autofahrer von einem Streifenwagen überholt und zum Anhalten aufgefordert worden ist. Der war viel zu schnell unterwegs. Der Fahrer hat gesagt, er hätte nicht gewusst, wie schnell er unterwegs gewesen sei. Zu schnell fahren, das geht nicht. Für so etwas gibt es keine Ausrede. Der Fahrer musste natürlich büssen. (Kurze Pause) Oder die FahrerIn.

MARTHA (Im Kaffee) Du bist kein Mann, du bist ein Junge. Du lebst gar nicht richtig.

ROBERT (Bar, ruhig) Die Grösse der Nase stellt die angenommene Grösse des
Penis dar. Grosse Nase, grosser Penis. Das ist überliefert. Aus dem Wallis. Wallis, Schweiz.

(ROBERT und ELIAV zusammen. Dort wo der Text überlagert ist, wird nachträglich synchron geschnitten.)

ROBERT (Im Auto) Kanton, Wallis. VS. Abkürzung für Wallis, VS.
ELIAV (Hohe Stimmlage) Abkürzung für.

MARTHA (Im Kaffee) Zum Glück weiss ich, wie das Bett stehen muss. Wie ich
dich berühren muss, wie lange und wie oft. (Kurze Pause) Gute Regeln helfen. Vor allem, wenn der Mann so unsicher ist und so ängstlich und denkt, er sei sowieso nichts wert.

ROBERT (Bar, ruhig) Immer schneller sein, als das Wasser fliesst. So kann man handeln! So behält man immer die Kontrolle. Hat ein Kajakweltmeister gesagt. Und wüste Sachen machen. (Mit Begeisterung) Laute Musik hören, viel trinken, viel rauchen, ungesund, fetthaltig essen, viel Geld ausgeben und sehr, sehr viel Geld verdienen. Ich wäre gerne stark. Ich würde gerne alles tun, was man von einem richtigen Mann erwartet.

MARTHA (Im Kaffee) Die Hose sitzt eben, oder sie sitzt eben nicht. Das muss man nur locker anpacken. Das ist alles halb so schwierig. Die Mode ist erbarmungslos, wenn man nicht locker ist.

ROBERT (Bar, ruhig) Ich würde gerne verschiedene Frauen ansprechen. Dann hoffen, dass man sich gegenseitig gefällt, und dass dann mehr draus wird! Aber oft ist man dann nur einfach zu zweit und merkt erst später, dass doch jeder nur für sich war. Das möchte ich ja dann auch wieder nicht. Da fühlt man sich ja auch nur ausgenutzt danach.

MARTHA (Im Kaffee) Die meisten meiner Patienten kommen zu mir, weil sie Probleme mit ihren Partnern oder Partnerinnen haben. Das Problem meiner Patienten ist, dass sie überhaupt keine Ahnung haben, was ihnen fehlt. Die sind zu faul, um sich das zu überlegen.

ROBERT (Bar, ruhig) Wild, wie ein Tier! (Pause) Ich wäre gerne so stark und so wild wie ein Tier.

MARTHA (Im Kaffee) Die meisten Patienten haben überhaupt keine Ahnung. Weil ich ein äusserst hilfsbereiter Mensch bin, nehme ich meine Patienten bei der Hand und erkläre ihnen alles. Die Welt braucht Erklärungen. (Kurze Pause)

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