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Auszug     Rezensionen

Normal. Vereinigung für Normales Glück

normal.jpg   Heute habe ich ein Buch auf die Fensterbank gelegt, damit es auch mal an die frische Luft kommt. In der Zeitung kann man die Blume des Jahres wählen. Ich wähle Gras. (Marcel Oliver, 23. April 2001)

Es ist wichtig, dass man sich Gedanken macht und diese richtig anwendet. (Marcel Oliver, Vereinigung für Normales Glück. Spenden an: IBAN CH51 0900 0000 8501 9743 8)

1. Kapitel – Ein gründlicher Anfang
Eine grosse Schale Wasser steht mitten auf dem
Tisch. Hinter der Schale liegt ein Schokoladeriegel. Vom Bett aus gesehen wirkt der Schokoladeriegel durch die Verzerrung, die durch das gewölbte Glas und das Wasser entsteht, unförmig und viel zu gross. Wenn ich den Wecker höre, stehe ich auf, gehe auf den Tisch zu, tauche die linke Hand in die Wasserschale, reibe sie am Pyjamaärmel trocken, fahre mit der rechten Hand durchs Haar, greife nach dem Schokoladeriegel und lege mich zurück ins Bett. Ich reisse die Verpackung auf und esse den Schokoladeriegel. Ich kaue nicht, sondern warte, bis die Masse in meinem Mund weich wird. Ich schichte die Masse mit der Zunge langsam um und dämmere bei dieser Tätigkeit wieder weg. Am schnellsten dämmere ich weg, wenn ich den Schokoladebrei mit der Zunge
an die Gaumendecke drücke und dazu den Unterkiefer leicht nach vorne schiebe.
Die Weckmethode könnte auch eine andere sein. Es ist überhaupt kein Leistungsausweis, wenn man am Morgen aufsteht. Viele stehen jeden Morgen auf. Ich tue das nicht aus Überzeugung oder aus Erziehung, ich stehe einfach auch, weil ich aufstehe.
Um 7.15 Uhr geht es los. 8.15 Uhr eine Stunde. 9.15 Uhr zwei Stunden, 10 Uhr Pause. Das sind bereits zweidreiviertel Stunden. 10.15 Uhr bis 12.00 Uhr sind nochmal eindreiviertel Stunden. Dann Pause bis 13.00 Uhr. Bis 15.00 Uhr sind nochmal zwei Stunden, nochmal Pause. Pause.
Dann nochmal von 15.15 Uhr bis 16.30 Uhr, dann ist Schluss. Sind ungefähr alles zusammen achteinviertel Stunden, genau wie vorgesehen. Genau wie es sein soll. Das ist im Sommer und Winter genau gleich, im Sommer ist nur das Wetter anders als im Winter. Sonst ist es die selbe Arbeit.
Mit dem Zeigefinger der linken Hand sanft über die Nasenflügel streichen, das ist Arbeit. Wenn ich den Fahrschein löse, den Kaugummi kaue, die Zigarette am dafür vorgesehenen Ort ausdrücke, dann ist das Arbeit. Wenn es niemand sieht, dann ist es auch Arbeit. Ich habe viel Arbeit, die keine ist. Alles ist
Arbeit. Sturm, Wind, Überschwemmungen, Schneefall, Naturereignisse. Gerade die Arbeit, bei welcher man fragt, wessen Arbeit, gerade diese Arbeit ist
Arbeit.
Ich ziehe einen Mantel an, der nicht mir gehört. Das würde mir nie passieren, sagt einer. Ein anderer sagt, jetzt verstehe ich einiges besser. Ich selber sage, es geht doch, dass man einen Tag lang einen Mantel trägt, der einem nicht gehört. Ist doch kein Problem. Vieles ist kein Problem, von dem man sich nicht verunsichern lassen muss.
Zehn Jahre sind so vorbeigegangen. Ich war beschäftigt und hatte einen Job und Geld. Ich habe dann mit allem aufgehört.

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