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Auszug     Rezensionen

Am Tag vor meiner Abreise

taugwalder_gross.jpg   MANUSKRIPTAUSZUG
Taug1 (Telefonbeantworter)
Ja, hier ist der Hannes Taugwalder. Wäre es möglich, dass du mich zurückrufst. Ich weiss eben nicht mehr genau, wann du kommst. Ich werde dann versuchen, Deine Wünsche möglichst zu erfüllen und das Zeug ein wenig bereit zu machen. Schön. Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende. Könntest Du mich bitte zurückrufen.

Komm1
Im letzten Lebensjahr von Hannes Taugwalder kam es zu vier Begegnungen mit ihm. Die erste Begegnung fand im Januar statt, die letzte im Juni. Der Ort war immer derselbe: Das Wohnzimmer in Taugwalders Haus in Aarau, mit Sicht auf Garten und Rasen. Auf dem dunklen Holztisch lagen ein Aufnahmegerät, ein Stapel Blätter, ein Notizblock und zahlreiche Bücher. Die Gespräche dauerten jeweils vier Stunden. Zwei am Vormittag von zehn bis zwölf. Zwei am Nachmittag von 14 bis 16 Uhr. Die Gespräche boten Hannes Taugwalder die Möglichkeit, auf sein Leben zurück zu blicken und sich zu seinem Schreiben zu äussern. Auch sprach er über seinen bevorstehenden Abschied. Denn er wusste, dass er, wie er selber sagte, „vor der letzten Türe stand“.

Komm2
1. TEIL: DER LAUF DES LEBENS

Stimm1
Vorwort: Meine Vorfahren waren Bergbauern. Sie trugen die fröhlichen Herzen der Hirten. Ihre Heimat war nicht die Talsohle, sondern die Halden und Hänge, die dem Matterhorn vorgelagert waren. Dort fanden ihre Haustiere Weideplätze und sie ein karges Auskommen. Aber Alleinsein war nicht Einsamkeit. Und Armut nicht Unglück, sondern Ungebundenheit und das kurze Leben ein Durchgang zu den ewigen Weideplätzen. (S. 7)

Komm3
So beschreibt Hannes Taugwalder in seinem bekanntesten Buch: „Das verlorene Tal“, einer autobiographischen Erzählung aus dem Jahr 1979, seine Herkunft. Taugwalder wurde am 21. Dezember 1910 als drittes von insgesamt fünf Kindern in Zermatt geboren. 20 Jahre vor seiner Geburt, in den Sommern von 1890/1891, wurde die Zugstrecke von Visp nach Zermatt eröffnet. Und nochmals 25 Jahre früher, am 14. Juli 1856, war dem Engländer Edward Whymper die Erstbesteigung des Matterhorns gelungen. Hier in diesem zwischen Bergmassiven eingekesselten Dorf, in dem der Tourismus eine zunehmend tragende Rolle spielte, verbrachte Hannes Taugwalder seine Kindheit und frühe Jugend.

Taug2
Ich bin eigentlich ein gespaltener Mensch. Auf der einen Seite konnte ich viel von der Liebe und der Güte meiner Mutter erben, also durch die Gene, die eigentlich unsterblich sind. Und der Vater war ein unglaublich mutiger Bergsteiger. Er hat schon um 1890 … war er im Kaukasus … auf dem Grossen Ararat gestiegen. Und später ging er mit Engländern in den Himalaja. Noch später ging er mit einer Frau aus New York, die für das Harper Magazine schrieb, in die Anden und dort bestieg er mit einem Freund den Huascaran. Natürlich als Erstbesteigung. Dort hatte er Erfrierungen...

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