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Auszug

Wie ich ins Erdnuss-Business ging


Heute kommt er wieder, der Mann mit dem weissen Bart und den vielen Nüssen. Derweil hat der Schriftsteller Michael Stauffer früh genug seine Erkundigungen aufgenommen. Lesen Sie hier alles über die Erdnuss, die eigentlich eine Bohne ist, oder eine Erbse.
Wie ich ins Erdnuss-Business ging
Heute kommt er wieder, der Mann mit dem weissen Bart und den vielen Nüssen. Derweil hat der Schriftsteller Michael Stauffer früh genug seine Erkundigungen aufgenommen. Lesen Sie hier alles über die Erdnuss, die eigentlich eine Bohne ist, oder eine Erbse.
• MICHAEL STAUFFER
Bereits im Oktober habe ich bei diversen grossen Nahrungsmittelhändlern angerufen. Einige haben mir verraten, dass die vielen Erdnüsse, die in den Schweizer Endverkauf kämen, nicht in der Schweiz geröstet würden. Erdnüsse werden also zum Teil geröstet importiert.
Doch kein einziger Importeur wollte mir verraten, wo die Nüsse konkret geröstet werden. Es könnte ja sein, dass ich bei der Konkurrenz arbeite, wurde mir gesagt. Ja doch, natürlich. Stauffer-Erdnuss AG. Big deals for peanuts. Das wäre der Werbeslogan, der auf meinem Briefpapier stehen würde. Und dazu eine Erdnuss mit heller Hülsenfarbe. Oben links, als Logo. Die Erdnüsse nehmen übrigens alle die Farbe des Bodens an, in welchem sie wachsen. Eine helle Schale bedeutet:Diese Erdnuss ist in einem sandigen Boden gewachsen, eine dunklere weist auf humusreichere Erde hin.
Der Selbstversuch
Ich wollte ja eigentlich keine Konkurrenz sein. Aber einmal angestachelt von der Idee, ins Erdnussbusiness einzusteigen, habe ich einen gewissen Ehrgeiz entwickelt. Erdnüsse sind ja auch sehr gesund. Sie enthalten kein Cholesterin und sind reich an ungesättigten Fettsäuren, die gut fürs Herz sind. Im Mass genossen, verhindern Erdnüsse das Hungergefühl und können sogar unterstützend wirken, wenn man Gewicht verlieren will. Das teste ich alles im Selbstversuch. Ich fülle mir eine Schale mit Erdnüssen. Ich stelle ein Glas Weisswein dazu. Ich suche einen Fernsehsender, der eine Talkshow bringt. Die Erdnüsse esse ich langsam, dann schneller, schliesslich kippe ich die verbleibende Menge auf einmal in den Mund. Der Brei, der bald in meinem Mund entsteht, befriedigt mich. Nach einiger Zeit fühle ich mich jedoch stark gebläht. Ich stehe auf, gehe ein paar Schritte, ziehe meine Trainerhosen am Bund ein wenig nach hinten und lasse einen fahren. Erdnüsse mögen gesund sein, aber die hier sind ziemlich schwer verdaulich. Erdnüsse mögen auch wichtige Eiweisslieferanten sein. Ich habe dennoch einen Verdacht.
Das Kochstudio
Ich rufe sogleich die Hotline des Kochstudios von Coop an. Eine diplomierte Köchin bestätigt meine Vermutung. «Ja, Herr Stauffer, da haben Sie schon Recht. Fachsprachlich heissen Erdnüsse groundnuts. Sie wachsen in der Erde. Daher rührt auch der Name Erdnuss. Erdnüsse zählen zu den Hülsenfrüchten.» «Ja, sehen Sie, das habe ich mir gedacht, dass die nicht zu den Nüssen zählen!», rufe ich in den Hörer. «Aber warum?» «Bevor die Erdnüsse geröstet werden, schmecken sie ein wenig wie rohe Erbsen oder Bohnen. Erst beim Rösten entwickeln sie das ihnen eigene Aroma, und die Bitterstoffe verschwinden. Die Erdnuss stammt übrigens aus Südamerika. Missionare und Entdecker haben sie dann weiter mit nach Südasien und Afrika und auch Europa genommen. Über den Sklavenhandel ist die Erdnuss dann nach Nordamerika gelangt und » «Aber deshalb sind es noch lange keine Bohnen!», unterbreche ich genervt. «Hören Sie mir doch zu. Das englische Wort peanut heisst so viel wie Erbsennuss und erklärt doch die botanische Herkunft, wenn man ein bisschen Phantasie hat, tadellos, oder.» «Die Erdnuss ist also tatsächlich mit der Erbse verwandt und gehört zu den Hülsenfrüchten?», frage ich zurück. Die freundliche Frau erklärt im selben Tonfall weiter: «In der Zusammensetzung ist die Erdnuss allerdings den Nüssen sehr ähnlich.» Ich habe keine Lust mehr und verabschiede mich freundlich; das ist alles immer noch kein richtiger Grund dafür, dass ich mich nach dem Verzehr der Erdnüsse nicht mehr wohl fühle. Es muss an der Röstung liegen. Die waren einfach schlecht geröstet. Doch das will niemand zugeben.
Die Trommelröstmaschine
Ich will besser rösten. Ich erstehe im Internet eine Trommelröstmaschine, welche eine Röstleistung von 100 Kilogramm Rohkaffee in der Stunde aufweist. Ich baue die Trommelröstmaschine in eine Erdnussröstmaschine um. Vor der Inbetriebnahme habe ich bei der Konkurrenz vorbeigeschaut. In der einen Rösterei waren die Erdnüsse ständig in Bewegung und drehten sich in einer Trommel bei rund 200 Grad Celsius. Mittels eines Probierstutzens konnte man 2 bis 3 Nüsse aus der Trommel nehmen und kontrollieren, wie weit der Röstprozess bereits fortgeschritten war. Bei einem anderen Konkurrenten wurden die Erdnüsse während einer halben Stunde bei 150 Grad geröstet, dann frisch verpackt. Die Migros teilte mir bereits am Telefon mit, dass sie leider keine Auskunft erteilen könne. Das Rösten geschehe nach eigener, streng geheimer Rezeptur. Bei meinen Versuchen mit der Umgebauten Trommelröstmaschine (UTRM) habe ich schnell herausgefunden, dass es schwierig ist, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen. In kurzer Zeit kann die ganze Ladung Erdnüsse zu dunkel geröstet sein, oder falls man sie zu früh rausnimmt, ist der Geschmack etwa der von frischen, rohen grünen Erbsen.
Das Business
Einige Ladungen Fehlröstungen habe ich dem Nationalpark auf den Ofenpass geschickt. Die haben meine fehlgerösteten Erdnüsse den hässlichen und dicken Murmeltieren verfüttert. Die Murmeltiere liegen den ganzen Sommer vor ihren Löchern und pfeifen, wenn jemand auftaucht. Dann stehen sie auf, falten ihre Papiertüten mit den Erdnüssen darin zusammen und steigen rückwärts in ihre Löcher. Mit einem Kaffeeröst-Experten habe ich weiterführende Fachgespräche geführt und den Röstprozess so verbessern können. Auch habe ich mit diversen Sorten experimentiert. Die häufigsten Erdnusssorten, die in die Schweiz importiert werden, sind: Virginia und Runner. Die Kerne der Virginia sind die grössten. Sie eignen sich am besten für Salznüsse. Die heissen so, weil der Anbau zunächst nur auf Virginia und North Carolina beschränkt war. Heute wird die Erdnuss in Israel, Ägypten, China, Japan, Indien sowie Ost- und Westafrika angebaut und eben auch in Nordamerika. Nach den anfänglichen Fehlversuchen gelingen mir heute ausschliesslich hervorragende Röstresultate. Jetzt bin ich eben doch zum Konkurrenten geworden. Stauffer-Erdnuss-Import AG. Big deals for peanuts. Wird nächstes Jahr eine erste Niederlassung in Bern eröffnen. Der Hauptsitz bleibt vorläufig in Biel/Bienne.

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